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Arbeiten in einem Familienunternehmen

Veröffentlicht am 15 August 2017 von Vincenzo Ganci

Während mehrere multinationale Unternehmen die Auslagerung in Länder mit tieferen Löhnen erwägen und manche internationale Organisationen Lohnkürzungen ankündigen, stellen wir fest, dass die Attraktivität sogenannter „Familienunternehmen“ als Arbeitgeber zunimmt.

Einerseits kommt hier der Grundsatz von Angebot und Nachfrage ins Spiel, aber andererseits sicherlich auch das Interesse, das lokaler aufgestellte Unternehmen vermitteln, deren Produkte und Serviceleistungen sowohl gehoben als auch lebensnah sind. Damit locken sie Menschen an, deren Berufsleben in internationalen und komplexen Unternehmensstrukturen etwas an Sinn und Zweck eingebüsst hat.

Damit der Übergang von einem multinationalen Unternehmen in ein Familienunternehmen gelingt, muss man einige Grundlagen der Unternehmenskultur verstehen.

Ein Familienunternehmen ist ein Organisationsmodell, das sich durch die Zugehörigkeit einer begrenzten Anzahl von Aktionären auszeichnet, die oft strategische Entscheidungen treffen und oft auch in die operative Leitung des Unternehmens eingebunden sind. Diese Personen, egal ob aktiv oder passiv im Unternehmen, sind in der Regel durch sehr starke Familienbeziehungen miteinander verbunden. Um nur einige zu nennen: die Swatch-Gruppe, Chopard, Kudelski, Bobst – alles Beispiele erfolgreicher Familienunternehmen in der Schweiz. Doch die Mehrzahl, die mindestens ebenso erfolgreich arbeitet, ist der breiten Öffentlichkeit fast unbekannt.

Was Familienbetriebe auszeichnet, ist das Mass an Vertrauen sowie die Qualität in den Beziehungen zu ihren Mitarbeitern. Anders gesagt sind es nicht so sehr die Fachkompetenzen, sondern eher die Balance zwischen der Persönlichkeit, dem Wissen und der sozialen Kompetenz, worauf diese Arbeitgeber achten. Selbst bei über 1.000 Mitarbeitern sind Familie, Zugehörigkeit und Engagement nicht nur leere Floskeln.

Familienunternehmen zeichnen sich ausserdem durch ihre Flexibilität und ihre Fähigkeit aus, aufgrund von kurzen Wegen rasche Entscheidungen zu treffen.

Kreativität ist ein Schlüsselelement für deren Erfolg, denn oft verfügen sie über begrenzte Ressourcen. Mit Einsatz von verhältnismässig wenigen Mitteln erzielen sie grosse Erfolge.

Das Verständnis über diese kulturellen Besonderheiten ist unserer Meinung nach der Schlüssel für all diejenigen, die in ein Familienunternehmen eintreten möchten. Fachliche Fähigkeiten, herausragende Zeugnisse, Titel sowie ein sehenswerter beruflicher Werdegang reichen nicht aus, um in einem Familienunternehmen eingestellt und erfolgreich integriert zu werden. Für ein gutes Gelingen sind die Fähigkeit zur Risikobereitschaft auf persönlicher Ebene (zum Beispiel der Verzicht auf das frühere Gehalt in einem multinationalen Unternehmen), die Bereitschaft, sich in Frage zu stellen, kreative aber effiziente Entscheidungen zu treffen, ein Vertrauensverhältnis zu den Inhabern aufzubauen (und nicht die typischen innenpolitischen Spielchen multinationaler Unternehmen zu spielen) ausschlaggebend.