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Ausgewogenheit ist das A und B

Veröffentlicht am 4 September 2018 von Vincenzo Ganci

Wenn Sie einen einzigen, beziehungsweise DEN Faktor für ein erfolgreiches Einstellungsverfahren in Ihrem Unternehmen nennen sollten, welcher wäre dies? Bildungsstand, der Ruf derzeitiger oder früherer Arbeitgeber, die beruflichen und privaten Erfolge (und warum nicht, auch die Misserfolge), die berufliche Entwicklung, Mobilität, Kompetenzen, Führungsstärke, Werte, Fachkenntnisse, emotionale oder kulturelle Kompetenzen? Um nur einige wenige Optionen zu nennen. Die Antwort auf diese Frage ist jedoch wesentlich komplexer als jede Funktion und jede Hierarchiestufe, denn was tatsächlich erforderlich ist, ist eine den jeweiligen Umständen entsprechende, ausgewogene Mischung all dieser Elemente.

Bitte haben Sie daher Verständnis dafür, dass wir uns bei dieser Erörterung lediglich auf das Wesentliche konzentrieren. Unseren Erfahrungen zufolge, suchen die meisten Arbeitgeber Kandidaten, die die Fähigkeit haben, sich jeder Situation entsprechend angemessen verhalten zu können und mit dieser flexibel, scharfsinnig und professionell umgehen zu können.

Niemand möchte einen Mitarbeiter, der zwar fachlich kompetent, jedoch nicht in der Lage ist, sich in ein Team zu integrieren oder mit seinen Gesprächspartnern zu kommunizieren. In einer Welt, in der Wissen dank Technologien viel leichter als früher ausgetauscht und angewandt werden kann, gilt es, sich mit Hilfe der richtigen Ausgewogenheit an Kompetenzen von anderen Mitbewerbern abzuheben.

Die Arbeitgeber erhoffen sich also von einem potenziellen neuen Mitarbeiter, der das abstrakte Konzept der Ausgewogenheit nachvollziehen kann, die Fähigkeit, sich selbst (in Bezug auf seine Stärken und Schwächen) richtig einzuschätzen, seine Emotionen und seine Person zu kontrollieren, Einfühlungsvermögen, Überzeugungskraft und Motivation zeigen und zuhören zu können sowie in der Lage zu sein, in der jeweiligen Situation angemessene Schlüsse zu ziehen. Es handelt sich demzufolge um eine sich entwickelnde Kompetenz, die von der Situation und den beteiligten Personen abhängt – eine Gleichung aus der Selbstwahrnehmung und den Informationen, die zum Zeitpunkt T bezüglich einer Situation gewonnen werden. Das Konzept lässt sich mit einem Surfer vergleichen, der sich die Welle in seinem Interesse und im Rahmen seiner Möglichkeiten vernünftig zu Nutzen macht.

Die alleinige Tatsache, dass man eine gute Ausbildung genossen hat oder über besonderes Fachwissen verfügt, reicht – mit Ausnahme einiger weniger Fälle – niemals aus, wenn kein ausgewogenes Verhältnis zwischen den Kompetenzen besteht. Der fachliche Hintergrund der Kandidaten wird in diesem Fall auch niemals zum Vorschein treten. Ein Kandidat, der nicht in der Lage ist, sich seinen Hintergrund (Ausbildung, Erfahrungen) zunutze zu machen, ist auch für die Arbeitgeber nicht von Nutzen. Kein Arbeitgeber sucht einen Mitarbeiter, der zwar besonders intelligent oder kompetent, jedoch nicht in der Lage ist, mit seinen Mitmenschen zu interagieren, zuzuhören oder sich selbst objektiv wahrzunehmen.

Das mag vielleicht banal oder dem gesunden Menschen verstand ganz offensichtlich erscheinen, doch handelt es sich hierbei tatsächlich um einen entscheidenden Faktor zum beruflichen Fortschritt ? Keine fachliche Kompetenz oder berufliche Ausbildung kann eine mangelnde Ausgewogenheit der Kompetenzen wettmachen.