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Die Fangfrage

Veröffentlicht am 2 Juni 2020 von Mathieu Bischof

Wenn Sie als Rekruter in einem Unternehmen arbeiten, werden Sie oft mit der Frage „Was sind die Fangfragen bei einem Vorstellungsgespräch? “ konfrontiert. Diese Frage wird regelmässig gestellt und ist amüsant, da natürlich… keine allgemeine Antwort möglich ist.Wir möchten jede Spekulation unterbinden, dass Personalvermittler einen 67. Sinn haben, der es ihnen erlaubt, Seelen zu lesen und mögliche Lügen aufzudecken. Ein Rekruter stellt Fragen und wenn er mehr Fragen stellt, dann deshalb, weil er nicht alles verstanden hat.

Diese Frage folgt oft dem berühmten Satz: „Mein Karriereverlauf ist untypisch“.  Doch was halten Sie für einen typischen Karriereweg? Einen EFZ-Abschluss in einem Unternehmen absolvieren und 20 Jahre im selben Betrieb bleiben? Lassen Sie uns eins klarstellen. Solch ein Karriereverlauf ist nicht alltäglich und betrifft keinesfalls die Mehrheit der platzierten Kandidaten und die „Freunde der Branche“. Das Typische wird dadurch untypisch.

Wir stellen daher eine „Unterbewertung“ der Karrierepfade, durch die Kandidaten selbst, fest und damit eine deutliche Neigung, sie nicht richtig hervorzuheben. In einem früheren Artikel (Der Rest ist Alchemie…) haben wir erwähnt, dass eine der schlimmsten Interview-Haltungen, jene der Rechtfertigung ist, die Unbehagen und Ineffizienz mit sich bringt. Das Thema hier, ist fast dasselbe.

Es gibt zwei Situationen, in denen Sie das Gefühl haben werden, eine Fangfrage beantworten zu müssen. Die erste ist, dass der Interviewer das Gefühl hat, dass Sie lügen oder ihm nicht alles sagen. Aus Erfahrung können wir behaupten, dass sich alles sagen lässt, aber es kommt darauf an, wie man es sagt. Sie wären zum Beispiel überrascht, wie effektiv es sein kann, ein etwas stürmisches Vertragsende auf transparente und direkte Weise zu erklären. Die zweite Situation ist Ihre eigene Fantasie und kommt auf die Frage der Rechtfertigung zurück. Nicht weil der Rekruter, Ihnen eine Frage stellt, ist diese Frage böswillig, z.B. „Warum arbeiten Sie nicht mehr für Ihren früheren Arbeitgeber?». Es ist sehr gut möglich, dass diese Frage nur zum Zweck der Verständigung und nicht zur Destabilisierung gestellt wird. Wenn Ihre Antwort jedoch nicht eindeutig ist, könnte eine Bitte um Klärung gestellt werden… Achtung, auch das ist immer noch keine Falle.

Unserer Meinung nach gibt es also keine Fangfragen.

Die Rekruter werden oft verspottet, weil scheinbar immer die gleichen Fragen gestellt werden… Als Kandidat können dies zu Ihrem Vorteil nutzen und sich darauf vorbereiten!