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Eine grosse Reise

Veröffentlicht am 11 Dezember 2018 von Frank Gerritzen

Der Prozess läuft seit Wochen, teilweise Monaten, Sie wurden von der gesamten Geschäftsführung befragt, alles wurde hinterfragt, Ihre Referenzen wurden alle kontaktiert, Sie haben sich auf Vergütung, Titel, Funktion, Startdatum, vielleicht sogar die Farbe Ihres zukünftigen Firmenwagens geeinigt.

Es ist alles da, vor Ihren Augen, Ihr Vertrag in zwei Exemplaren, unterzeichnet von der Personalabteilung und dem Management. Jetzt fehlt nur noch Ihre Unterschrift, die Ihre Vereinbarung, bei Ihrem neuen Arbeitgeber anzufangen, besiegelt.

Aber Sie empfinden Zweifel, schreckliche Zweifel. Und wenn ich einen grossen Fehler begehe? Wenn ich mich auf etwas einlasse, das nicht meinen Erwartungen entspricht? Was ist, wenn ich damit meinen Karriereplan ruiniere, der so sorgfältig entwickelt und jahrelang gewissenhaft eingehalten wurde?

Was geschieht dann? Dennoch habe ich so hart für diese Position gekämpft, die vielleicht nicht die Krönung meiner Karriere ist, aber dennoch ein ernsthafter Schritt in die richtige Richtung. Angst vor dem Neuen? Angst vor dem Sturz ins Leere? Sie zweifeln alles an? Angst Bekanntes zu verlassen? Angst vor dem Unbekannten?

Mit dem, was das Leben uns an Erfahrungen und Herausforderungen hinterlassen hat, kommen für jeden von uns das eine, das andere oder all diese Gefühle in entscheidenden Momenten unseres Lebens ans Tageslicht. Vor allem, wenn es um den Wechsel von einer Arbeitsstelle (ein wenig) und einem Arbeitgeber (viel) geht.

Das Gefühl ist ähnlich wie bei jedem großen Ereignis im Leben: die Entscheidung, das Haus der Familie zu verlassen, das Glück im Ausland zu versuchen, sich auf ein Leben mit dem Partner einzulassen (oder ihn zu verlassen). Wir wissen, was wir zurücklassen: das Vertraute, das Bekannte, eine Form des Trostes, auch wenn es manchmal schwierig ist, damit zu leben. Auf der anderen Seite gibt es nur das Unbekannte. Die Neuheit, die, wie im Traum, die kleinsten Ängste und die unbedeutendsten Bedrohungen hervorruft.

Dieses Empfinden ist demnach völlig normal. Es geht darum, es zu akzeptieren, es zu integrieren und sich auf das zu konzentrieren, was einen auf der anderen Seite des Ufers erwartet, während man sich über alles freut, was man aus dem, was man verlässt, gelernt hat. Es gibt keine Zauberformel, um diese Momente der Angst zu überwinden. Auf der anderen Seite gibt es die Gewissheit, dass jede neue Erfahrung, was auch immer sie sein mag, großartig sein wird, brutal, komplex, anstrengend, sie wird dich wachsen lassen, auch wenn es bedeutet, dir deine eigenen Grenzen aufzuzeigen. Und die Erkenntnis seiner Grenzen und damit die Erkenntnis seiner selbst sollte das Ziel sein, das jeder verfolgt.

Artikel veröffentlicht in Französisch auf HR Today Le Blog (leblog.hrtoday.ch)