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Trauen Sie sich zu fragen, aber aus den richtigen Gründen!

Veröffentlicht am 20 November 2017 von Vincenzo Ganci

Zum Ende des Jahres werden in der Presse viele Artikel zum Thema „(Verhandlung über die) Gehaltserhöhung“ veröffentlicht. Oder es könnte auch heissen: „Wie nutzt man die positive wirtschaftliche Entwicklung für seine eigenen Interessen?“

Der Zusammenhang zwischen einer Gehaltserhöhung und der Wirtschaftslage ist bestenfalls eine vereinfachte Darstellung, ausser für die Gewerkschaften, welche darauf ihre Argumentation basieren. Das Gehalt ist nichts anderes als eine Gegenleistung, die man für getane, wertschöpfende Arbeit erhält. Allein die Qualität der letzteren und deren Wert, den der Arbeitgeber (oder letztlich der Kunde) wahrnimmt und berechnet, rechtfertigt eine Gehaltserhöhung.*

Also ist es nicht notwendig, auf einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts zu warten, auf welchen Sie und ich persönlich keinen Einfluss haben, um über seinen Lohn zu verhandeln. Es genügt, jeden Tag mit Leidenschaft, Engagement und Effizienz zu arbeiten. Selbst wenn die Unternehmens- oder Wirtschaftslage nicht gerade rosig sind, wird kein Arbeitgeber das Risiko eingehen, einen kompetenten, erfahrenen und engagierten Mitarbeiter zu verlieren.

Die Leistung eines guten Mitarbeiters geht über dessen Funktions- und Hierarchieebene hinaus. Er ist wertvoll und ein aufmerksamer Arbeitgeber kümmert sich um sein Wohlergehen, denn er ist die Grundlage für den Unternehmenserfolg. Ein marktgerechter Lohn ist ausschlaggebend dafür, ob man einen Mitarbeiter im Unternehmen halten kann. Ist die Forderungen begründet sind, werden sogar weniger reaktive und wettbewerbsfähige Unternehmen positiv auf die Frage nach einer Gehaltserhöhung reagieren. Zudem haben wir in der Schweiz wahrscheinlich die effektivste Waffe im Wettbewerb: einen flexiblen Arbeitsmarkt, der eine einfache und effektive Balance zwischen Angebot und Nachfrage ermöglicht. Ein „unterbezahlter“ Mitarbeiter wird leicht eine andere Stelle finden.

Wir haben insgesamt zehntausende von Interviews mit Fach- und Führungskräften geführt und können bestätigen, dass die Menschen, die sich ihrer Fähigkeit bewusst sind, positiv zum Unternehmenserfolg beizutragen, sich auch weniger Gedanken über die Entlöhnung machen, denn sie sehen ihr Gehalt und dessen Erhöhung als logische Konsequenz für den erbrachten Mehrwert.

Hier noch einige Tipps für Ihre Karriere: Konzentrieren Sie sich auf sich selbst und auf Ihre Fähigkeit, aussergewöhnliche Leistung für Ihren Arbeitgeber, Ihre Kunden oder Kollegen zu erbringen. Investieren Sie in Ihre eigene Entwicklung, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Seien Sie offen für Feedback und bleiben Sie bescheiden, aber dennoch selbstbewusst. Ihr Gehalt ist dann die Gegenleistung für die obgenannten Punkte. Und wenn Ihr Arbeitgeber sich weigert, Ihre Leistung gebührend zu honorieren, gibt es immer noch genügend andere Unternehmen, die bereit sind, dies zu tun und einen raren „Top-Mitarbeiter“ einzustellen. Halten Sie sich nicht für unersetzbar, aber verhalten Sie sich beispielhaft. Dies macht Sie zu etwas Besonderem und der Rest kommt von selbst.

 

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* Wir haben bewusst darauf verzichtet, die automatische Anpassung oder Gehaltsverhandlungen auf Basis von Lebenshaltungskosten (Inflation) zu thematisieren. Erstens, weil dies in den letzten Jahren quasi nicht relevant war und zweitens, weil sie sowieso Teil der Gehaltspolitik sind, ob verhandelt oder nicht.