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Welchen Platz hat die Arbeit in diesem neuen Jahrzehnt?

Veröffentlicht am 9 März 2020 von Vincenzo Ganci

In unserer beruflichen und privaten Laufbahn sind wir mit dem Entstehen einer ganz anderen Arbeitshaltung von jungen Menschen konfrontiert, die auch von den Medien häufig beschrieben wird. Das alte Modell, eine Karriere im Zentrum des Lebens, zwischen dem Ende des Studiums und dem Ruhestand, wird von der jüngeren Generation als überholt angesehen. Was zählt, ist die Lebenserfahrung, ein Leben lang und in einem sehr weiten Sinne.

Diese Haltung hat viele Vorteile: In erster Linie befreit sie uns von dem, was von vielen als eine Diktatur der Karriere angesehen wird: Beruflicher Erfolg als Mass für den Erfolg im Leben. Die konkreten Folgen dieser Befreiung ist eine wachsende Gleichberechtigung der Paare angesichts der familiären Verpflichtungen, die Frage dessen, was ein erfülltes Leben ausmacht, eine aufrichtige Suche nach „Glück“, mangels eines angemesseneren Begriffs. Diese Haltung ermöglicht auch ein stärkeres Engagement für das, was jeder Einzelne unternimmt, denn die Motivation ist nicht nur finanzieller Art, manchmal auch gar nicht: Sie ist der Höhepunkt des Sinns, den man der eigenen Existenz geben will. Auf diese Weise entstehen Berufe im humanitären, politischen oder sozialen Bereich. Wie wir wissen, ist niemand so effizient, wie wenn er motiviert ist.

Diese radikale Veränderung wirft jedoch auch einige Schatten auf. Unsere sozialen Institutionen (Krankenversicherung, AHV, …) basieren auf einer Logik der Solidarität. Unsere zivilisierte Gesellschaft, der Ertrag jahrhundertelanger Arbeit, Anstrengungen, Opfer und Dramen, ist auch der Ertrag der Solidarität zwischen den Generationen, eine stillschweigende Vereinbarung zwischen der Tatsache, dass die nächste Generation die Fackel in die Hand nimmt und aufrichtig ihr Bestes tut, um die Gesellschaft, zu der sie gehört, voranzubringen. Die Frage wurde noch nie zuvor so gestellt: Irgendeine Form von Instinkt oder Intuition hat den Weg nach vorn diktiert.

Die oben erwähnte Emanzipation hat jedoch auch einige Hinweise auf Egoismus, auf Rückzug. In der Analogie dazu wurde die Kritik an den Golfstaaten geäussert, die ihre Öl-Gewinnchancen ausnutzen und ihr Kapital auffressen, ohne an morgen zu denken. Die vielfältigen Rechte, die wir hier in der Schweiz geniessen, gehen mit Pflichten einher, welche das System ausbalancieren. Wenn wir die Pflichten aufgeben, haben wir dann Zugang zu den Rechten?

Wir sind davon überzeugt, dass die Erfüllung des Lebens die Arbeit einschliesst, was auch immer sie sein mag. Es macht keinen Sinn, sich ein Leben ohne ein Gefühl des Beitrags zur Gesellschaft vorzustellen, ohne eine Rolle, egal wie klein sie ist. Die Unternehmen müssen sich stärker darum bemühen, die Mitarbeiter im weitesten Sinne in das Projekt, in das sie in ihre Tätigkeit eingebunden sind, einzubeziehen, damit ihre Motivation erhalten bleibt oder wieder verstärkt wird.