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Zufriedenheit und Gesundheit am Arbeitsplatz: «work in progress»

Veröffentlicht am 20 September 2019 von Vincenzo Ganci

Ein Bericht des Global Wellness Institute schätzt, dass die wirtschaftliche Belastung durch kranke Mitarbeitende 10 bis 15% der globalen Wirtschaftsleistung ausmacht (1).

Dieses Phänomen beschränkt sich nicht nur auf die Entwicklungsländer, in denen die Arbeitsbedingungen am schwierigsten sind. Dies ist eine allgemeine Tatsache. So sind in einem öffentlichen Grossunternehmen im Kanton Waadt, unseren Informationen nach, 4% aller Mitarbeitenden krankgeschrieben.

In den letzten zwei Jahrzehnten ist die Anzahl Krankheitsfälle, die auf Überlastung zurückzuführen sind, bei den Mitarbeitenden stark angestiegen. So sehr, dass die Financial Times dieses Problem als „trillion-dollar taboo“ (2) bezeichnet, nachdem eine WHO-Studie ergab, dass Depressionen, Burnouts und Angstzustände am Arbeitsplatz die Weltwirtschaft jährlich 3 Billionen Dollar kosten (3).

Auf die wachsende Sorge um zu viel Stress am Arbeitsplatz, haben einige Unternehmen teilweise sehr kreativ reagiert: Die Möglichkeit zu Homeoffice, das Einsetzen von Ergonomen bei der Gestaltung von Arbeitsplätzen, kostenlose Massagen, Pilates Kurse, Salatautomaten, Sofas für einen Powernap etc.

Die Clinique La Prairie, eine Luxus-Spa-Klinik in Montreux, hat kürzlich sein Executive Vitality-Programm lanciert: eine fünftägige Kur für Führungskräfte. Dieses ganzheitliche Programm umfasst unter anderem Stressabbau-Sitzungen, persönliche Reflexionen, Gruppenarbeiten und medizinische Beurteilungen auf hohem Niveau (4). Zusätzlich gibt es Eisbäder und tibetische Klangschalenbehandlungen.

Die Frage, die man sich stellen kann, ist: Wie effektiv sind diese Programme?

Eine kürzlich durchgeführte Umfrage ergab, dass Arbeitnehmende, die ihren Arbeitgeber tatsächlich als gesundheitsbewusst wahrnahmen, weniger gestresst und engagierter bei ihrer Arbeit sind. Diese Umfrage zeigt, dass immaterielle und emotionale Faktoren einen grösseren Einfluss auf das Wohlbefinden der Mitarbeiter haben, als die tatsächliche Umsetzung am Arbeitsplatz. Mit anderen Worten, gute Absichten und authentische Bemühungen sind wichtiger als die eingesetzten Mittel. Die Schaffung einer Unternehmenskultur, die auf Unterstützung und Verständnis basiert, wird als einer der wichtigsten Aspekte angesehen, um das Wohlbefinden der Mitarbeiter zu gewährleisten, eine bessere psychische Gesundheit zu fördern und die Mitarbeiterfluktuation zu senken.

Führungskräfte sind echte Katalysatoren bei diesem Ansatz mit positiven Auswirkungen auf den Unternehmenserfolg. In einem zunehmend wettbewerbsorientierten Markt sind sie gefordert, gute Leistungen zu erbringen und ihre Kollegen in deren Entwicklung zu unterstützen. Zu einem wesentlichen Bestandteil einer motivierten und engagierten Organisation ist deshalb auch das Wohlergehen der Führungskräfte von entscheidender Bedeutung.

Obwohl die Forschung in diesem Bereich noch nicht sehr fortgeschritten ist, verstehen immer mehr Unternehmen die Bedeutung des wahren emotionalen Wohlbefindens ihrer Mitarbeiter und die wesentliche Rolle der Führungskräfte in der Gesundheitskultur des Unternehmens, die über den reinen Komfort am Arbeitsplatz hinausgehen.

Mit mehr Forschung, zusätzlichen Studien und ein paar Eisbädern mehr, sind wir eventuell sogar auf dem richtigen Weg, das „3-Billionen-Dollar-Tabu“ zu bekämpfen.

(1) https://globalwellnessinstitute.org/wp-content/uploads/2018/06/GWI_2016_Future_of_Wellness_at_Work.pdf?inf_contact_key=28776a562968e2186e07635c258679b9f651f238aa2edbb9c8b7cff03e0b16a0
(2) https://www.ft.com/content/1e8293f4-a1db-11e9-974c-ad1c6ab5efd1
(3) https://www.who.int/mental_health/in_the_workplace/e
(4) https://cliniquelaprairie.com/fr/executive-vitality